Kompanie der Zahnlosen
Wer heute durch Dietikon spaziert, ahnt kaum, dass hier einst eine veritable Festung stand. Zwischen Wohnhäusern, Schrebergärten und Waldstücken verbergen sich Relikte einer Zeit, in der das Dorf mit 6000 Einwohnenden plötzlich ebenso viele Soldaten zählte.
1939 wurde Dietikon mit dem Operationsbefehl Nr. 2 von General Henri Guisan zur Schlüsselstellung der Limmatverteidigung. 900 Meter Beton, sieben Bunker, 27 Maschinengewehre und Artillerie in Halbkreisformation: Man erwartete den deutschen Durchbruch Richtung Gotthard.
Während Offiziere Verteidigungspläne wälzten, entwickelten findige Bauernsöhne ihre eigene Strategie: Ohne Zähne kein Marschieren! Also liess man sich kurzerhand die Zähne ziehen. Doch der Plan ging nicht auf, die Armee entschied, die Zahnlosen nicht zu entlassen, sondern neu zu bezahnen! Im Zentralschulhaus richtete man eine Militärzahnarztpraxis ein – und machte die Zahnlosen dank Gebiss wieder fronttauglich.
Eine "Edentaten" Kompanie wurde gegründet. Die legendäre Einheit erhielt sogar ihre eigene Briefmarke mit dem Motiv der "Kappeler Milchsuppe" (für Suppe braucht es ja keine Zähne:)
Die Festung selbst erlebte nie einen Kampftag. Nach 1940 verlor die Limmatstellung an Bedeutung. 1946 sprengte man Mauern und Bunker – doch nicht alle. Eine Geschichte über Angst und Improvisation. Über Beton und Zahnlücken. Und über eine Armee, die am Ende das letzte Wort – und den besseren Biss – hatte.