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Manchmal öffnen sich Zeitfenster in die Vergangenheit – ganz unscheinbar, in kleinen Schachteln, die viele Jahre in Schubladen oder Estrichkisten überdauern. Ein solches Zeitfenster wurde neulich von der Kommission für Ortsgeschichte neu entdeckt und bewertet: Ein seltener Film, der an die Eröffnung der Buslinie Dietikon–Schlieren (1957) erinnert.

Der Film wurde dem Museum von einem Dietiker übergeben, der 1930 geboren wurde und als 27-Jähriger das Ereignis damals mit einer privaten Schmalfilmkamera aufgenommen hatte. Die Kamera – ein schweres, federwerkbetriebenes Modell aus Metall – war in den 1950er-Jahren noch ein kleines technisches Wunder. Umso bemerkenswerter ist es, dass der Film die Jahrzehnte nahezu unversehrt überstanden hat.

Historischer Moment im Limmattal

Die Aufnahme zeigt einen Tag, der für das Limmattal eine besondere Bedeutung hatte: Die Eröffnung der direkten Busverbindung zwischen Dietikon Zentrum und Schlieren am 1. Dezember 1957. Bis dahin endeten die Busse aus Schlieren in Schönenwerd, an der Gemeindegrenze. Wer weiter wollte, musste zu Fuss gehen – oder aufs Velo umsteigen.

Im Film ist zu sehen, wie sich Menschen in Mänteln und Hüten am Strassenrand versammeln, viele Kinder mit wachen, neugierigen Blicken. Ein glänzend polierter Linienbus fährt vor, verziert mit Girlanden und einem kleinen Fähnchen an der Front. Dann setzt sich der Bus, vollbesetzt bis auf den letzten Platz, in Bewegung. Ein neues Kapitel im öffentlichen Verkehr des Limmattals beginnt.

Mehr als ein Verkehrsmittel

Die Verlängerung der Linie war damals mehr als nur eine praktische Verbindung. Sie war ein Zeichen eines Limmattals, das zusammenwuchs. Menschen pendelten vermehrt zu Arbeitsplätzen in Schlieren und Zürich, Jugendliche besuchten Schulen über Gemeindegrenzen hinweg, Geschäfte und Märkte profitierten von neuer Kundschaft.

Vielen älteren Bewohnerinnen und Bewohnern ist die Erinnerung daran noch lebendig: Die Freude über die neue Bequemlichkeit, der Stolz auf Modernisierung – aber auch die Wehmut über den bereits früher verlorenen Strassenbahnanschluss.

Ein Film als Gemeindegedächtnis

Im Ortsmuseum wurde der Film nun digitalisiert, er ergänzt historische Fotografien, Fahrpläne und die Erinnerungen aus der Bevölkerung.

Solche Filme sind unschätzbare Zeugnisse des Alltags. Sie zeigen nicht nur das Ereignis selbst, sondern auch die Menschen, die Kleidung, die Gesten – all das, was in offiziellen Dokumenten meist fehlt.

Besitzen Sie auch alte Filme?

Das Ortsmuseum freut sich über weitere Filme, Fotos und Erinnerungsstücke aus dem Alltag der 1940er- bis 1970er-Jahre. Spannende Objekte aus früherer oder späterer Zeit sind ebenfalls sehr willkommen. Oft liegen solche Schätze verborgen und werden erst beim Räumen entdeckt.

Wer einen Fund melden möchte, kann sich direkt im Museum melden oder per E-Mail unter:
museumdietikon@bluewin.ch

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Im Film wurden folgende Personen erkannt:

  • Leo Dirren (geb. 1893, Maurer und Böller-Schütze).
  • Hans Neuenschwander (geb. 1895, vormals Präsident Quartierverein Schönenwerd).
  • Walter Meier (geb. 1929, Chauffeur).
  • Johann Hürzeler (geb. 1929, Chauffeur).
  • Oscar Hummel sen. (geb. 1896, Redaktor «Der Limmattaler»).
  • Karl Heid (geb. 1895, Lokalhistoriker).
  • Walter Disler sen. (geb. 1917, Präsident Quartierverein Schönenwerd um 1957).

Interessant ist auch der Protokollauszug des Gemeinderates aus dem Jahre 1957
Das Dokument beschreibt die Einführung einer neuen Buslinie zwischen Schlieren und Dietikon 1957, inklusive rechtlicher, technischer und organisatorischer Herausforderungen.
Es ist ein früher Beleg der modernen ÖV-Entwicklung im Limmattal und zeigt, wie provisorisch und experimentell Verkehrspolitik damals war.